Internet und Senioren

Es wird allgemein geklagt, dass noch zu wenig ältere Menschen das Internet und seine Möglichkeiten nutzen. Auch wenn es viele lobenswerte Programme und Initiativen von vielen Seiten gibt, so ist bisher der eigentliche Durchbruch noch nicht wirklich gelungen. Aus meiner Erfahrung und ich bin Initiator von Internetcafes „Von Senioren für Senioren“ in Unterfranken, gibt es (noch) zu viele Hürden, die es zu überwinden gilt. Die Aufzählung ist mit Sicherheit nicht vollständig und stammt aus meiner subjektiven Sicht.

Ein Hürdenlauf mit dem Internet - Foto: Eckhard Pecher (Arcimboldo)

Ein Hürdenlauf mit dem Internet


Foto: Eckhard Pecher (Arcimboldo)

Hürde 1
Motivation – Es wird keine Notwendigkeit gesehen. So frei nach dem Motto „Nun bin ich schon so lange ohne Internet ausgekommen, komme auch weiter so durch“.

Hürde 2
Wenn dann die Einsicht vorhanden ist, sich mit dem Internet zu beschäftigen, dann fürchtet man die Technik, samt der Anschaffung für Rechner usw.
Router für Verbindung zum Internet.

Hürde 3
Horrormeldungen über Viren, Würmer und sonstige Gefahren (Abzocke, Betrug u.ä.)

Hürde 4
Englische Begriffe – Surfen Browser usw.

Hürde 5
Die Kinder oder Enkel erklären nicht seniorengerecht, d.h. viel zu schnell.

Hürde 6
Der örtliche Fachhandel leistet kaum Beratung, sondern ist vorrangig am Verkauf interessiert.

Hürde 7
Nun kommen die eigentlichen Anwendungen, allgemeinverständliche Erklärungen gibt es recht selten.

Hürde 8
Die sonstigen örtlichen Angebote selbst sind nicht niedrigschwellig genug. Bei Kursen bestimmt der Schnellste das Tempo. Das erzeugt bei den Langsamen Frust und Aufgabe.

Hürde 9
Die Tutoren, Helfer, Missionare (oder wie immer man sie bezeichnet) sind zu wenig pädagogisch geschult und setzen oft zuviel voraus.

Hürde 10
Es fehlt an vielen Orten die Betreuung durch geduldige Menschen, wenn es Probleme gibt, oder Informationsbedarf besteht.

Alle Hürden genommen - © Ernst Rose / PIXELIO

Alle Hürden genommen - © Ernst Rose / PIXELIO

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16 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

16 Antworten zu “Internet und Senioren

  1. Besser kann man die Probleme nicht auf den Punkt bringen. Wobei die Hürde 1 sehr bedeutend ist, – viele Senioren erkennen den Nutzen des Internets nicht richtig, weder für sich selbst, noch für die Gesellschaft.

    • Herbert Schmidt

      Deshalb steht sie auch an der 1. Stelle. Wenn man da nicht rüber kommt, gibt es keinen Weg. Leider.
      Ich habe noch kein Rezept gefunden, wie man von „hinten“ heran kommt. 🙂

  2. Meine Gedanken dazu:

    Ich glaube es gibt diejenigen, die sich sowieso schon für die Technik interessieren oder andere, die ein Thema haben, an dessen Verbreitung sie interessiert sind, dann gibt es kaum Hürden und im günstigsten Fall trifft beides zusammen, technische Neugier und Themen, die man mit anderen austauschen möchte. Ich glaube so ist das bei Dir und z.B. Jean-Pol und HoSi, um nur einige zu nennen. Oder? Euch interessieren bestimmte Themen, Ihr knüpft übers Web neue Kontakte und tauscht Euch auch zu technischen Fragen aus.

    Für diejenigen, die zunächst „nur“ ein Thema transportieren wollen, bieten wir z.B Blog-Patenschaften an sowie die http://www.offene-plattform.de.

    Dort kann jeder sein Thema von uns einstellen lassen und schauen, wie sich das anfühlt, im Internet zu schreiben und Kommentare zu bekommen. Auf Wunsch gibts gern auch technische Unterstützung.

    In der Rubrik „Wie ich das Internet nutze: „http://www.bloggerpatenschaften.de/category/wie-ich-das-internet-nutze/ “ , sammle ich positive Erfahrungsberichte. Weitere sind willkommen. 🙂

    Die Hürden, die Du beschrieben hast, treffen nicht nur für Senioren zu.

  3. Gerade verarzte ich eine Gruppe von 10 Senioren in einem Anfängerkurs…
    Es treten alle Gründe auf, die genannt wurden. Der erste Anstoß, sich mit PC und Internet zu beschäftigen kommt meist von außen. Also alle die bereits genannten Gründe.
    Ein weiterer Grund betrifft die Witwen. Sie durften beim Mann nur zuschauen, aber nicht selber an den PC. Nun steht der PC da – also möchte man ihn auch selbst nutzen. Unsere Trauergruppen weisen auch darauf hin, dass es eine seniorengerechte Schulung in unserer Stadt gibt. So finden viele Damen dann zu uns. Also auch diese Gruppen informieren, wenn es eine Anlaufstelle gibt.

    Gruß Anntheres

    • Herbert Schmidt

      @Anntheres,
      wir haben hier in Würzburg keinerlei praktische Erfahrungen mit Anfängerkursen für 10 Seniorinnen oder Senioren. Dieses Feld wird hier von der VHS, vom Kolpingwerk und von einer privaten Computerschule bestellt.
      Nun höre ich immer wieder, dass auch wir in unserem Internetcafe „Von Senioren für Senioren“ so etwas anbieten sollten. Warum eigentlich nicht.
      Wie lange dauert bei Euch so eine Anfängerschulung, habt ihr ein Curriculum dafür oder eine Agenda? Wäre schön, wenn wir so zum Erfahrungsaustausch kämen.
      Viele Grüße
      sendet
      Herbert

  4. Ja, da sind schon die Hürden, die da so gegen irgendetwas aufgebaut werden. Mir würden auch welche einfallen, wenn mich meine Frau zu einem Tanzkurs missionieren würde ;=).

    Doch gerade das ist das Problem: derartige Hürden baut jeder in SEINEM Kopf auf. Daher ist die Aufzählung leider keine Hilfe ;(.

    Zur Lösung schlage ich vor, dass jeder einer kleinen Gruppe (5 bis 10 Personen) AKTIV hilft diese inneren Hürden abzubauen. Das erfordert Zeit, Vertrauen und Geduld. Und es beruhigt das eigene schlechte Gewissen, nicht seine eigenen Erfahrungen weitergegeben zu haben!

  5. Anntheres

    Hallo Herbert! wir können uns gerne dazu austauschen.Weiterhin steht im Forum Lernen ein Lernraum für die Aktiven der Senioren-Internetcafes zur Verfügung, wo man sich austauscht und auch Lernmaterial zur Verfügung steht.
    Grundlage für Kurse sind bei mir die Lernhefte von http://www.knowware.de die sehr gut aufgebaut sind. Ich ergänze es dann mit eigenen Materialien, je nach Kenntnisstand der Gruppe.
    Wir haben auch VHS und private Anbieter. Dort ist es für Anfänger aber ungleich schwerer.
    Nach 10 Stunden (5×2 h) sind meine Leute in der Regel soweit, dass sie die Grundlagen in PC, Textverarbeitung, Internet und E-Mail einigermaßen beherrschen. Jeder kann zum Üben zu den öffentlichen Zeiten kommen.

    Mehr später…;-))

    Gruß Anntheres

  6. Hallo zusammen, mir fehlt bei den Hürden noch der Gedanke vieler Seniorinnen und Senioren, nicht mehr spielerisch-neugierig sein zu können. Häufig habe ich das Gefühl, dass die Behütetheit eines Gros unserer Älteren Mitmenschen den „dummen Fehler“ per se verbietet.

  7. Anntheres

    Hallo Herbert! Ich sitze gerade über einem Leitfaden für die Schulung von PC-Anfängern für einen Kollegen, der in einem anderen Ort die Betreuung einer Seniorengruppe übernommen hat. Er macht es zum ersten Mal, braucht also auch eine Anleitung, wie er vorgehen soll. Zum Glück habe ich viele Lernmaterialien, die ich ihm zur Verfügung stellen kann. Da er sehr gewissenhaft ist, wird er sich wohl schnell einarbeiten.
    Materialien habe ich in Rubriken nach Anwendung unterteilt und werde sie ihm auf einer CD geben.
    Dazu noch die Knowware-Hefte.
    Natürlich ist auch Übungsmaterial dabei und auch viel Spielraum zum selbständigen Erforschen…;-))
    Mein Vorschreiber hatte da wohl etwas Bedenken…
    Nein, wir müssen sie eher ermutigen, dass sie sich was traun – und das tun wir auch…;-)) Meine augenblickliche Lerngruppe ist schon gut aufgetaut und stellt immer mehr Fragen, weil sie es jetzt halt auch besser verstehen.

    Viele Grüße nach Würzburg
    von Anntheres

  8. Pingback: Ältere Menschen sind nicht über das Web zu erreichen! « EFI Bayern e.V.

  9. Pingback: Vernetzungs-Mashup: November 09 :: Blogpatenschaften - Wir fördern Vernetzung

  10. Hallo,
    falls Ihr an einem Austausch interessiert seid, würden wir uns freuen, wenn Ihr mal bei unserem Projekt „Umaklickn“ vorbeischaut. Wir versuchen, den Einwohnern vom Lieser- und Maltatal das Internet näher zu bringen und berichten über unser Vorgehen und unsere Erfahrungen.
    Wir freuen uns sehr über aktiven Austausch und Anregungen.

  11. Pingback: “Senioren kommunizieren im Internet” Vortrag (24.03) « Jean-Pol Martins Weblog

  12. Pingback: “Senioren ans Netz”: Eröffnung des Bingo-Vereinsheims (10.04) « Jean-Pol Martins Weblog

  13. Pingback: Das war die 17. Runde der NPO-Blogparade (Social Media: wie überzeuge ich meinen Chef?) « Das Kulturmanagement Blog

  14. Vor kurzer Zeit bin ich auf eine Schweizer Studie gestoßen, die das Thema „Internet-Nutzung und Alter“ zum Thema hat.
    Hier habe ich mehr darüber geschrieben:
    http://seniorenforum-wuerzburg.de/?p=2162

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